Prolongation
- Vorteile: Einfach, kein Bankwechsel, kein Notaraufwand
- Nachteile: Nicht unbedingt das günstigste Angebot
- Geeignet für: Wer Einfachheit schätzt und verhandelt
Die Zinsbindung Ihres Darlehens läuft in einigen Jahren aus – und plötzlich liegt ein Brief der Bank auf dem Tisch mit einem Prolongationsangebot. Viele Immobilienbesitzer und Kapitalanleger unterschätzen, wie viel Spielraum sie in diesem Moment noch haben und wie teuer Abwarten werden kann. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wann der richtige Zeitpunkt zum Handeln ist, welche Optionen Sie haben und wie Sie Ihre Anschlussfinanzierung so gestalten, dass sie zu Ihrer Lebenssituation passt.
Der Begriff Prolongation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Verlängerung. Im Kontext der Baufinanzierung bezeichnet er die Verlängerung Ihrer bestehenden Darlehensvereinbarung mit Ihrer bisherigen Bank zu neuen – hoffentlich günstigen – Konditionen. Am Ende einer Zinsbindungsfrist ist Ihr Restdarlehen in der Regel noch nicht vollständig getilgt, und Sie benötigen eine Anschlussfinanzierung, für die verbleibende Restschuld.
Die Prolongation ist dabei die einfachste Form der Anschlussfinanzierung, weil Sie bei Ihrer bisherigen Bank bleiben und keine neue Kreditprüfung und Änderung der Grundschuld erforderlich ist. Das spart Notarkosten und Aufwand. Allerdings bedeutet einfach nicht automatisch günstig – und genau hier liegt der entscheidende Punkt: Ein Prolongationsangebot Ihrer Bank ist häufig nicht das beste Angebot auf dem Markt. Wer das vergleicht und früh genug handelt, schützt sein Geld.
Die Antwort auf diese Frage überrascht viele: deutlich früher, als die meisten Immobilienbesitzer denken. Viele warten, bis das Prolongationsangebot der Bank ins Haus flattert – und das kann bedeuten, dass sie nur noch wenige Wochen oder Monate Zeit haben, um Alternativen zu prüfen. Dabei verlieren sie wertvolle Verhandlungsmacht und oft auch bares Geld.
Als Faustregel gilt: Beginnen Sie spätestens zwölf Monate vor dem Ende Ihrer Zinsbindung damit, sich aktiv um Ihre Anschlussfinanzierung zu kümmern. Noch besser ist es, mit dem Vergleich bereits 18 bis 24 Monate vorher zu starten, denn dann haben Sie die Möglichkeit, ein sogenanntes Forward-Darlehen abzuschließen, das die heutigen Konditionen für die Zukunft sichert. Gerade in Phasen, in denen Zinsen auf einem vergleichsweise attraktiven Niveau liegen, kann diese Weitsicht viele tausend Euro sparen.
Für Vermieter und Kapitalanleger mit mehreren Immobilien gilt dieser Grundsatz besonders stark: Wer Cashflows plant und Renditen kalkuliert, braucht Planungssicherheit. Schon eine Zinserhöhung von einem halben Prozentpunkt auf eine Restschuld von 200.000 Euro bedeutet über zehn Jahre einen spürbaren Mehraufwand, der Ihre Rentabilitätsrechnung deutlich verändert.
Wenn das Ende der Zinsbindung näher rückt, haben Sie grundsätzlich drei Wege, die Sie miteinander vergleichen sollten. Der richtige Weg hängt von Ihrer persönlichen Situation, dem aktuellen Zinsniveau und Ihrer Restschuld ab.
Die Prolongation ist der Weg des geringsten Widerstands. Ihre Bank schickt Ihnen ein Angebot, Sie stimmen zu, und alles läuft weiter wie gehabt – mit neuen Konditionen. Der Vorteil: kein Bankwechsel, keine neue Grundschuldbestellung, kein zusätzlicher Verwaltungsaufwand. Der Nachteil: Ihre bisherige Bank weiß, dass ein Wechsel für viele Kunden unbequem ist, und hat daher keinen großen Anreiz, von Anfang an das günstigste Angebot zu machen. Oft lässt sich durch Verhandlung oder durch das Vorlegen eines Konkurrenzangebots noch etwas herausholen.
Bei der Umschuldung wechseln Sie am Ende der Zinsbindung zu einem anderen Anbieter. Das bedeutet etwas Mehraufwand: Sie müssen Ihre Finanzierungsunterlagen neu einreichen, und es entstehen Kosten für die Abtretung der Grundschuld. Dennoch kann sich die Umschuldung lohnen, wenn der Zinsvorteil die einmaligen Kosten überwiegt – was bei einer Laufzeit von zehn Jahren und einer nennenswerten Restschuld fast immer der Fall ist.
Ein Forward-Darlehen sichert Ihnen die heutigen Zinsen für eine Finanzierung, die erst in der Zukunft beginnt – in der Regel bis zu 60 Monate im Voraus. Sie zahlen dafür einen Aufschlag auf den aktuellen Zinssatz, der je nach Bank und Vorlaufzeit in der Regel zwischen 0,01 und 0,03 Prozentpunkten pro Monat liegt. Wenn Sie erwarten, dass die Zinsen bis zum Auslaufen Ihrer Zinsbindung steigen werden, schützt Sie das Forward-Darlehen vor dieser Entwicklung und gibt Ihnen die Planungssicherheit, die Sie für Ihre Kalkulation brauchen.
Prüfen Sie, welche Option zu ihrer Situation passt. Die TARGOBANK berät Sie persönlich und unverbindlich gemeinsam mit unserem Finanzierungspartner der Oldenburgischen Landesbank – damit Sie die Weichen für Ihre Immobilie richtig stellen.
Wer Immobilien nicht selbst bewohnt, sondern vermietet oder als Kapitalanlage hält, steht bei der Prolongation vor einer anderen Ausgangslage als ein Eigenheimbesitzer. Die Finanzierungskosten wirken sich direkt auf die Rendite aus, und bereits kleine Unterschiede im Zinssatz können über eine zehnjährige Laufzeit einen erheblichen Unterschied in der Gesamtkalkulation bedeuten. Für Sie als Kapitalanleger ist die Prolongation daher kein reines Verwaltungsthema, sondern eine strategische Entscheidung.
Ein weiterer Aspekt betrifft die steuerliche Behandlung der Finanzierungskosten. Zinsen, die Sie für ein vermietetes Objekt zahlen, können Sie als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung geltend machen. Das bedeutet: Eine höhere Zinsbelastung verringert zwar Ihre Nettorendite, mindert aber gleichzeitig Ihre Steuerlast. Trotzdem gilt auch hier, dass ein günstigerer Zins durch eine frühzeitige Prolongation oder Umschuldung langfristig vorteilhafter ist. Lassen Sie sich im Zweifel von einem Steuerberater und einem Finanzierungsexperten begleiten, damit Sie beide Perspektiven im Blick haben.
Wenn Sie mehrere Immobilien finanzieren, empfiehlt es sich außerdem, die Zinsbindungsfristen Ihrer Darlehen zu koordinieren. Laufen alle Verträge gleichzeitig aus, entsteht ein hoher Verhandlungs- und Verwaltungsaufwand in kurzer Zeit. Gestaffelte Laufzeiten hingegen geben Ihnen die Möglichkeit, flexibel auf das jeweilige Zinsniveau zu reagieren und Ihre Liquidität besser zu steuern.
Um zu verstehen, warum der Zeitpunkt der Anschlussfinanzierung so wichtig ist, hilft ein konkretes Zahlenbeispiel. Stellen Sie sich vor, Ihre Restschuld nach zehn Jahren Zinsbindung beträgt 180.000 Euro, und Sie haben die Wahl zwischen zwei Angeboten für die nächste Zinsbindungsperiode von ebenfalls zehn Jahren.
| Szenario | Restschuld | Zinssicherheit | Monatliche Rate | Gesamtkosten Zinsen (10 Jahre) |
|---|---|---|---|---|
| Angebot der Hausbank (Prolongation) | 180.000 Euro | 3,80 % | ca. 1.050 Euro | ca. 30.600 Euro |
| Günstigeres Angebot (Umschuldung oder Verhandlung) | 180.000 Euro | 3,20 % | ca. 970 Euro | ca. 25.800 Euro |
| Ersparnis durch frühzeitigen Vergleich | -0,60 % | ca. 80 Euro/Monat | ca. 4.800 Euro |
Repräsentatives Beispiel für Oldenburgische Landesbank AG bei Vermittlung durch TARGOBANK AG, Kasernenstr. 10, 40213 Düsseldorf, Bonität vorausgesetzt 3,92 % gebundener Sollzins / 4,02 % effektiver Jahreszins / 10 Jahre Sollzinsbindung. Nettodarlehensbetrag: 300.000 € zu zahlender Gesamtbetrag: 492.840 € (333 Raten, Laufzeit 27 Jahre 9 Monate). Höhe der Rate: 1.480 € erstrangige Besicherung des Darlehens durch Grundschuld erforderlich.
Hinweis: Es handelt sich hier um eine exemplarische und fiktive Beispielrechnung mit angenommenen Werten und Zinsdaten. Preise und Zinssätze können je nach Marktsituation variieren.
Das Beispiel zeigt: Schon ein Zinsunterschied von 0,60 Prozentpunkten ergibt über zehn Jahre eine Ersparnis von rund 4.800 Euro – und das allein durch einen frühzeitigen Vergleich. Für Kapitalanleger mit mehreren Objekten multipliziert sich dieser Effekt entsprechend. Wer heute handelt, setzt sich in eine deutlich bessere Verhandlungsposition, weil er Zeit hat, Angebote einzuholen, zu vergleichen und gegebenenfalls mit der bisherigen Bank nachzuverhandeln.
Viele Immobilienbesitzer und Anleger machen bei der Anschlussfinanzierung vermeidbare Fehler, die sie langfristig Geld kosten. Wenn Sie diese Fehler kennen, können Sie sie konsequent umgehen.
Der häufigste Fehler ist, erst dann aktiv zu werden, wenn das Prolongationsangebot der Bank bereits vorliegt. Zu diesem Zeitpunkt haben Sie in der Regel nur noch wenige Wochen Zeit, um Alternativen zu prüfen. Wer 18 bis 24 Monate früher startet, kann dagegen in Ruhe vergleichen, ein Forward-Darlehen abschließen oder mit seiner Bank in eine echte Verhandlung eintreten.
Das Prolongationsangebot der bisherigen Bank klingt oft vertraut und seriös – aber es ist selten das günstigste. Holen Sie sich mindestens zwei bis drei Vergleichsangebote ein, bevor Sie unterschreiben. Schon die Aussicht auf einen möglichen Bankwechsel motiviert viele Banken dazu, ihre Konditionen nachzubessern.
Der Zinssatz ist wichtig, aber nicht der einzige Faktor. Achten Sie auch auf die Tilgungsflexibilität, die Möglichkeit von Sondertilgungen und die Laufzeit der neuen Zinsbindung. Wer zum Beispiel plant, die Immobilie in einigen Jahren zu verkaufen oder stärker zu tilgen, braucht andere Konditionen als jemand, der langfristig vermietet.
Vor der Prolongation sollten Sie Ihren aktuellen Tilgungsplan genau kennen. Wie hoch ist die Restschuld zum Ende der Zinsbindung? Haben Sie in der Vergangenheit Sondertilgungen geleistet, die die Restschuld reduziert haben? Diese Zahl bildet die Grundlage für alle weiteren Berechnungen und Vergleiche.
Mit der folgenden Übersicht behalten Sie alle wichtigen Schritte im Blick und stellen sicher, dass Sie rechtzeitig und gut vorbereitet in die Anschlussfinanzierung gehen.
Die TARGOBANK begleitet Sie gemeinsam mit unserem Finanzierungspartner OLB durch alle Phasen Ihrer Anschlussfinanzierung – Sprechen Sie mit unseren Expertinnen und Experten und finden Sie heraus, welche Option zu Ihren Zielen passt.
Starten Sie spätestens zwölf Monate vor dem Ende Ihrer Zinsbindung mit dem Vergleich, besser noch 18 bis 24 Monate vorher. So haben Sie genug Zeit, ein Forward-Darlehen zu prüfen, Angebote einzuholen und in Ruhe zu verhandeln, ohne unter Zeitdruck zu stehen.
Läuft Ihre Zinsbindung aus, ohne dass eine neue Vereinbarung getroffen wurde, wird Ihr Darlehen in der Regel zu einem variablen Zinssatz weitergeführt. Dieser kann deutlich über dem aktuellen Festzinsniveau liegen. Sie sollten daher aktiv werden, bevor der Vertrag ausläuft.
Nein, eine vollständige Löschung ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Die bestehende Grundschuld kann in der Regel abgetreten werden, was deutlich günstiger ist als eine Neueintragung. Die genauen Kosten hängen von der Höhe der Grundschuld und dem beauftragten Notar ab.
Ein Forward-Darlehen lohnt sich dann, wenn Sie davon ausgehen, dass die Zinsen bis zum Auslaufen Ihrer Zinsbindung steigen werden, und wenn der heutige Zinssatz zuzüglich des Forward-Aufschlags noch attraktiver ist als ein erwartetes künftiges Niveau. Für Kapitalanleger mit mehreren Objekten bietet es außerdem Planungssicherheit für die Renditekalkulation.
Ja, beim Abschluss einer neuen Zinsbindungsperiode haben Sie in der Regel die Möglichkeit, die Tilgungsrate anzupassen. Wenn sich Ihre finanzielle Situation verbessert hat, können Sie die Tilgung erhöhen, um die Restschuld schneller zu reduzieren. Stimmen Sie dies mit Ihrer neuen oder bisherigen Bank ab.
Ja, nach zehn Jahren Laufzeit Ihres Darlehens haben Sie gemäß Paragraph 489 des Bürgerlichen Gesetzbuches das Recht, Ihr Darlehen mit einer Frist von sechs Monaten zu kündigen – unabhängig davon, wie lange die vereinbarte Zinsbindung noch läuft. Das gilt auch bei langen Zinsbindungen von zum Beispiel 15 oder 20 Jahren und kann bei einem günstigen Marktumfeld eine interessante Option sein.
Die Anschlussfinanzierung ist mehr als eine administrative Pflichtaufgabe – sie ist eine echte Gestaltungsmöglichkeit für Ihre Immobilienfinanzierung. Wer rechtzeitig, das heißt 18 bis 24 Monate vor dem Ende der Zinsbindung, aktiv wird, hat die besten Chancen, günstige Konditionen zu sichern, in Ruhe zu vergleichen und gegebenenfalls zu wechseln oder erfolgreich nachzuverhandeln.
Für Vermieter und Kapitalanleger gilt das noch stärker, weil die Finanzierungskosten direkt die Rendite beeinflussen und Planungssicherheit einen eigenen Wert hat. Nutzen Sie das Sonderkündigungsrecht nach zehn Jahren, prüfen Sie Forward-Darlehen in Zeiten eines günstigen Zinsniveaus und lassen Sie sich nicht vom ersten Angebot Ihrer Bank blenden.
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